Friedrichsplatz

0
198

Der Friedrichsplatz wurde von Simon Louis du Ry im Jahr 1768 als Begrenzung der historische Altstadt von Kassel geplant und gleichzeitig als Bindeglied zwischen Altstadt und barocker Oberneustadt wirken.

Friedrichsplatz 1934 – © Stefan Malsch, Dresden

Die Südostseite des Platzes sollte von Bebauung freibleiben um als „Fenster“ mit freiem Ausblick zum Fuldatal eine organische Verbindung von Architektur und Landschaft zu schaffen. Zur Akzentuierung des Ausblicks wurde an der Südostseite nach dem Entwurf von Simon Louis du Ry das Friedrichs- oder Auetor 1779 – 1782 erbaut.

Das Auetor wird im Jahr 1907 abgerissen um für den monumentalen wilhelminischen Neubau des Staatstheaters Platz zu machen. (Eröffnung 1909 als „Königliches Staatstheater“). Mit diesem Bau wird der ursprüngliche Charakter des Platzes mit seiner Beziehung zur Fulda- und Karlsaue verlassen. Das Staatstheater wird, wie die meisten Gebäude der Kasseler Innenstadt im Jahr 1943 stark kriegsbeschädigt und endgültig – nach erregter öffentlicher Debatte – 1953 abgerissen. Das Fenster zur Karlsaue und zum Fuldatal wird wieder hergestellt.

Bereits im Kaiserreich und besonders in der Zeit des Nationalsozialismus war die ursprüngliche Platzgestaltung mit ihren Rasenflächen und geometrischen Wegen nicht mehr vorhanden. Der Platz wurde häufig zum exerzieren, für Aufmärsche und Paraden vom Militär genutzt. Auf der chaussierten Fläche landeten im Rahmen einer Waffenparade ein Fieseler Storch. Nach dem 2. Weltkrieg hieß der Platz für kurze Zeit Friedrich-Ebert-Platz.

Das neue Staatstheater wird 1959 schräg an der südöstlichen Ecke des Friedrichsplatzes fast parallel zum Ottoneum errichtet, so dass die Rechtwinkligkeit der Patzgestalt gestört und die Ecke ausgerundet wird. Die Verkehrsplanung der 1950er Jahre für die autogerechte Stadt lässt die neuangelegte Straßenführung des Steinwegs den Friedrichsplatz schneiden und trennt das südöstliche Drittel des Platzes verkehrlich und optisch ab.

Noch einmal Ende der 1980er Jahre besteht die Gefahr, dass die Verbindung vom Friedrichsplatz zur Karlsaue aufgegeben wird. Die Wettbewerbsauslobung des Architektenwettbewerbs für den notwendigen Bau einer eigenständigen Ausstellungshalle für die documenta sah eine Bebauung an der Stelle des abgerissenen alten Staatstheaters als Riegel vor der Karlsaue vor. Die Wettbewerbsgewinner setzten sich über diese Vorgabe hinweg, so dass die documenta-Halle seit 1992 parallel mit geschwungenem Grundriss zum neuen Staatstheater steht und sich tief in den Steilhang des Fuldatals eingräbt. Der Blick vom Friedrichsplatz zur Karlsaue und Orangerie seit der documenta 6 im Jahr 1977 durch das Kunstwerk Rahmenbau von Haus-Rucker-Co akzentuiert, blieb frei.

Im Laufe der 1990er Jahre wurde in zwei Bauabschnitten unter der gesamten Fläche eine Tiefgarage gebaut. Bei den Bauarbeiten wurden große Teile der Stadtbefestigungen freigelegt. Ein kleiner Teil und einige Schauvitrinen sind weiterhin im Parkdeck zu sehen. Vom Herbst 2004 bis zum Februar 2007 diente der Friedrichsplatz als Ausweichfläche des Staatstheaters. Während das Theatergebäude saniert wurde, stand ein Kuppelzelt als Spielort auf dem Platz.

Ähnliche Einträge

Vorheriger ArtikelLandgrafenschloss
Nächster ArtikelKönigsplatz