Theaterstübchen-Macher Markus Knierim

Die neue Konzertsaison des Kasseler Theaterstübchens steht in den Startlöchern. Nach den vielen Corona-Einschränkungen der vergangenen Jahre wartet Betreiber Markus Knierim erneut mit einem hochkarätigen Programm auf. Ein Gespräch.

Hallo Markus, das neue Programm setzt sich aus internationalen und regionalen Künstlern zusammen. Was war für dich das Wichtige bei der Programmauswahl?

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Markus Knierim: Ich lege großen Wert auf die lokale Kultur, aber natürlich spielen bei uns auch nationale und internationale Künstler, um das hohe Niveau zu halten. Veranstaltungen finden wieder täglich statt, es gibt keine freien Tage. Wichtig war bei der Zusammenstellung des Programms, dass wir im September nicht mit nur zwei oder drei Konzerten in der Woche anfangen. Wir wollen ein Zeichen setzen und müssen versuchen, den Normalzustand wiederherzustellen. Dafür benötigen wir natürlich auch das Publikum und den Vorverkauf. Viele Konzerte im aktuellen Programm waren bereits länger geplant oder sind Nachholkonzerte.

Auf welche Künstler freust du dich ganz besonders?

Markus Knierim: Ich freue mich auf jeden Fall auf Henrik Freischlader und seine neue Band. Sie sind endlich wieder am Start. Besonders freue ich mich auch auf Malia, die eine neue CD herausgebracht hat und auch Ida Sand. Viele Musiker waren während der Coronazeit fleißig und haben neue Alben herausgebracht. Interessant wird auch die Blueswoche. Dann haben wir viele Veranstaltungen, die nachgeholt werden, z.B. Andreas Schaerer & Hildegard lernt fliegen, die vom JazzFühling verlegt wurden. Die Band Colosseum ist natürlich ein Hammer, ebenso Jakob Manz mit Johanna Summer. Jakob Manz ist der Gipfelstürmer mit seiner Band, dem Jakob Manz Projekt, Johanna Summer als Solopianistin ebenfalls ein aufgehender Stern. Sie treten zusammen am 29. September auf. Das Konzert ist ein absolutes Highlight für alle Jazzliebhaber. Yumi Ito war noch nie bei uns. Sie ist eine neue Sängerin aus der Schweiz und kommt mit ihrer Band. Weil wir schon beim abwechslungsreichen Programm sind: Helge Timmerberg stellt bei uns sein neues Buch vor. Miu müsste auch jeder kennen, ebenso wie Jazzkantine. Für die Bluesfans kommt Bernard Allison, der auch vom Frühjahr verlegt wurde. Auch das erste Mal bei uns ist Tommy Castro. Das ist eine ganz angesagte Bluesband aus den Staaten. Nicht zuletzt freue ich mich auf Daniel Herskedal. Du siehst, das Programm ist voll mit Highlights.

Das Theaterstübchen wurde 1996 gegründet, du hast viele Preise gewonnen. Wie schafft man das und wie schafft man vorallem, diese hohe Qualität zu halten?

Markus Knierim: Das hat sich alles entwickelt. Das Theaterstübchen wurde eröffnet am 26. September 1996, eigentlich ursprünglich als Kneipe. Wir haben dann angefangen, Konzerte mit lokalen Künstlern zu veranstalten. Es folgten zwei Umzüge, bis wir uns schließlich an der jetzigen Stelle befanden. Das Theaterstübchen hat sich immer weiter herumgesprochen und immer mehr Agenturen haben angefragt. Am Anfang musste ich die Anlagen noch mieten. Als es dann losging, habe ich das ganze Geld, das hereinkam, gleich wieder investiert. Mittlerweile gehört mir das gesamte Inventar. Uns stehen viele hochqualitative Musikinstrumente zur Verfügung und so konnten wir uns erlauben, immer mehr internationale Künstler zu engagieren, die ja meistens nichts dabeihaben. Zum Beispiel gehört eine Hammondorgel zum Inventar, die eine der besten der Welt ist – laut den ganzen Topstars, die darauf spielen. Vor vier Jahren haben wir das erste Mal den Applaus erhalten für ‚Herausragendes Liveprogramm‘. Ab diesem Zeitpunkt habe ich gesagt, dass wir das Niveau halten müssen. Wir können nicht mehr besser werden, wenn sich schon die ganzen Topstars der internationalen Musikszene bei uns die Klinke in die Hand geben. Das weiterzuführen war das Ziel und das ist uns auch gelungen. Wir konnten die Besucherzahlen sogar noch etwas nach oben schrauben.

Dann kam Corona und die Kultur lag von einem Tag auf den anderen am Boden.

Markus Knierim: Seitdem ist alles anders. Die Kontakte sind natürlich immer noch vorhanden. Daher habe ich auch gesagt, dass wir in diesem Herbst 2022 weitermachen, als wäre nichts gewesen, denn wir können nicht aufhören. Wir können nicht sagen, es treten keine nationalen und internationalen Künstler mehr auf, wir machen mit lokalen Bands weiter und öffnen nur zweimal in der Woche, denn das hätte keinen Sinn. Das nächste halbe Jahr wird wegweisend, denn niemand weiß, wie der Winter wird. Ich bin fest davon überzeugt, dass es auf keinen Fall Schließungen oder Reduzierungen geben wird. Aber werden die Leute kommen, auch wenn die Zahlen wieder steigen sollten? Werden die Gäste dann Angst haben, sich anzustecken? Wir haben viel Geld in unsere neue Lüftungsanlage investiert und sind damit hervorragend aufgestellt. Ich bin sehr optimistisch.

Viele Veranstalter haben durch die Einschränkungen der letzten Jahre und den entstandenen Folgen aufgeben müssen. Bestes Beispiel in Nordhessen ist das Festival „Rock am Stück“ in Fritzlar, dessen Veranstalter Insolvenz anmelden mussten. Was lässt dich durchhalten?

Markus Knierim: Das, was ich hier aufgebaut habe, ist mein Lebenswerk. Ich bin gerade 60 geworden, habe viele Jahre in das Theaterstübchen gesteckt. Wir zählen zu den top Clubs in der ganzen Republik und haben auf der ganzen Welt einen guten Namen. Das nicht sterben zu lassen, treibt mich an. Wir sind während der Krise vom Staat super behandelt worden, aber seit Juli gibt es keine Überbrückungshilfe mehr, die Sonderfonds laufen Ende des Jahres aus. Wenn das Geld aufgebraucht ist, geht es an die privaten Ersparnisse. Doch im Kulturbereich hat man keine Millionen, man arbeitet sozusagen von der Hand in den Mund. Man freut sich am Ende der Saison, in unserem Fall also nach 270 bis 280 Konzerten von September bis Juni, wenn man gut über den Sommer kommt. Dann geht es wieder weiter. In diesem Jahr haben wir sogar bis Juli Konzerte veranstaltet, damit noch ein paar Leute kommen können. Wir hatten eine relativ kurze Sommerpause von 6 Wochen und nun geht es weiter.

Bleiben die Eintrittspreise in der aktuellen Saison unverändert?

Markus Knierim: Die Eintrittspreise sind geblieben. Lediglich die Preise für Getränke mussten wir im Schnitt um 50 Cent erhöhen. Weine um einen Euro.

Was war das bisher schönste Lob für deinen Club?

Markus Knierim: Das schönste Lob für mich ist, wenn sich die Gäste verabschieden und sagen, was für ein tolles Konzert es war oder was für eine geile Band gespielt hat. Wir sind hier, um den Gästen ihren Feierabend so schön und entspannt zu gestalten wie es geht. Wenn sich die Gäste dann bedanken oder wenn sich die Künstler bedanken für die gute Betreuung, ist es das größte Lob. Wir haben ja den Applaus viermal bekommen und letztes Jahr sogar den Hauptpreis für das beste Programm aller Clubs in Deutschland. Das war natürlich ein Hammer. Ein besseres Lob gibt es nicht. Ich habe den höchsten Preis bekommen, den ich bekomme konnte, mit dem ich aber nicht gerechnet habe, obwohl ich wusste, dass wir ganz oben mitspielen. Dass dann das Hauptaugenmerk der Jury auf Kassel fällt, war natürlich der Wahnsinn. Schade ist nur, dass wir die Auszeichnung nicht mit unseren Gästen feiern konnten.

Du hast kürzlich in den sozialen Netzwerken geschrieben, dass nur Vorverkäufe Konzerte ermöglichen. Durch die Coronakrise der letzten Jahre ist die Unsicherheit groß. Wie wichtig ist der Kartenvorverkauf für einen Veranstalter?

Markus Knierim: Der Kartenvorverkauf ist sehr wichtig und wird benötigt, um ein Konzert stattfinden zu lassen. Die Agenturen verlangen 50 Prozent bei Vertragsabschluss und weitere 50 Prozent spätestens einen Tag nach der Veranstaltung. Das Geld der Vorverkäufe liegt ja nicht irgendwo auf dem Konto. Weiterhin sieht man an den Vorverkäufen, was man noch machen muss an Werbung. Es werden davon Rechnungen beglichen, die bereits im Vorlauf kommen. Durch die Vorverkäufe sieht man, wo man steht.

Was war dein bewegendster Moment im Theaterstübchen?

Markus Knierim: Da gibt es viele. Ein ganz besonderer Moment war, als Ron Carter sich dazu entschieden hat, bei uns zwei Alben aufzunehmen und ein Leben lang damit verbunden zu sein. Ein bewegender Moment war, dass Paul Kuhn zwei Wochen vor seinem Tod im Theaterstübchen gespielt hat. Ein bewegender Moment war das Konzert mit Klaus Doldinger hier unten im Club, genau wie der Auftritt von Till Brönner. Auch das Konzert mit Joey de Francesco, der gerade vor zwei Wochen gestorben ist, war ein besonderer Moment. Und dass alle, die Rang und Namen haben, auf unserer Orgel gespielt haben.

Theaterstübchen

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Ich lebe in Kassel, einer der grünsten Städte Deutschlands, die ich als passionierter Radfahrer und Fotograf immer wieder neu entdecke. Als Kulturinteressierter bin ich immer in der entsprechenden Szene unterwegs und berichte darüber.

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