Foto: Leitschuh

Der Buchtitel ist Programm. „Wir können auch anders!“ ist erschienen. Es ist ein Buch von Ordensleuten, das sich als Beitrag zur aktuellen Debatte des Synodalen Weges in der katholischen Kirche versteht. „Diese Reformdebatte ist nicht neu, aber sie hat neue Dringlichkeit bekommen durch das Offenbarwerden von tausendfachem sexuellem Missbrauch im Raum der Kirche, der vertuscht und nicht ernst genommen wurde, bei dem der Schutz der Kirche über dem der Betroffenen stand – und leider zu oft immer noch steht“, so Mitherausgeberin Schwester Katharina Kluitmann, bis 2022 Vorsitzende der Ordensobernkonferenz. Weiterer Herausgeber ist Religionslehrer Marcus Leitschuh (Kassel), für die Laien im Bistum Fulda Mitglied der Synodalversammlung. „Die Ordensleute treten mutig und kreativ beim Synodalen Weg auf, bringen ihre Ordenserfahrungen ein und zeigen, dass Veränderungen in der Kirche notwendig, normal und ganz und gar katholisch sind“, so Leitschuh.

Das Buch erscheint pünktlich vor der nächsten Vollversammlung des Synodalen Weges Anfang September, deren Mitglieder die Ordensleute sind. Zu ihnen gehören Sr. Franziska Dieterle OSF, Sr. Philippa Rath OSB, Br. Thomas Wierling, Sr. Nicola Maria Schmitt OSV, P. Manfred Kollig SSCC, Sr. Bettina Rupp SSpS, P. Bruno Robeck OCist, Sr. Maria Stadler MC, Sr. Dr. Katharina Ganz OSF , Sr. Daisy Panikulam SABS, P. Stephan Ch. Kessler SJ, Pater Hans Langendörfer SJ, Sr. M. Scholastika Jurt OP und Fr. Simon Hacker OP. Kerstin Leitschuh (Citypastoral Kassel) hat das Buch durch ein Interview bereichert.

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So vielfältig wie die Orden und ihre Vertreterinnen und Vertreter, so vielfältig sind die Texte dieses Buches, in Textgattung und fachlichem Hintergrund, in durchscheinender Lebensform und in Nuancen. Kluitmann: „Im Buch gibt es Theologisches und Spirituelles, Informatives und Beschreibendes, Fragen, Antworten, Provokationen, Deutungen, Dialoge, Langes und Spontanes. Wenn unser Buch das Gespräch untereinander anfacht und bereichert, hat es seinen kleinen, aber vielleicht entscheidenden Beitrag geleistet.“ Die Debatte um Reformen in der Kirche hat gerade wieder einen teilweise aggressiven Ton erhalten. Oft auch einen Ton, den kein normaler Mensch mehr versteht. Auch das hat zum Schreiben der Texte motiviert. „Wir können in der gleichen Zeit anders, unterschiedlich leben, glauben, Liturgie feiern, Leitung organisieren, in Vielfalt und gegenseitiger Wertschätzung, wir, die Orden und die Verbände, die hierarchisch verfasste bischöfliche Kirche, die vielen verschiedenen Lebensformen und Charismen“, so Mitherausgeberin Sr. Katharina Kluitmann.

„Ordensleute brennen für die Reformthemen des Synodalen Weges und treiben sie mit großem Ernst und ungestüm voran. Vielleicht ist dabei eine innere und äußere Freiheit der Ordensangehörigen, die ihr Tun und ihr Leben rascher ändern können als andere, eine besondere Chance.“ So beschreibt Pater Dr. Hans Langendörfer SJ, bis 2021 Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz die aktuelle Rolle der Orden. So wie es Schwester Franziska Dieterle OSF, Kongregation der St. Franziskusschwestern Vierzehnheiligen, schreibt: „Die Orden waren immer die Reißnägel auf dem Stuhl der verfassten Kirche, es wurde also ungemütlich, wenn man sich zu bequem hinsetzte. Viele Erneuerungsbewegungen gingen von Orden aus.“

Autorin ist auch Sr. Philippa Rath OSB, Benediktinerin der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen: „Es braucht in der Kirche mehr Souveränität, mehr Offenheit, mehr Mut und mehr Toleranz. Mehr Katholisch-sein im besten Sinne, so wie wir es jetzt Schritt für Schritt erleben. Wir denken oft viel zu klein und zu eng. Das weite Herz Jesu zeigt, dass es auch anders geht.“ Denn „Der Stil Gottes ist bedingungslose Liebe. Er leitet uns durch seinen Geist. Das kann dazu führen, dass man mutig wird und auch mal ungehorsam sein muss.“ So Bruder Thomas Wierling. Das Ziel aller Theologie und Organisation von Kirche hat dabei Manfred Kollig SSCC, Generalvikar des Erzbistums Berlin im Blick, wenn er fragt: „Wie können wir deutlicher verkünden, dass wir ganz in der Welt leben, solidarisch mit den Menschen und der ganzen Schöpfung; und gleichzeitig den Blick für den Himmel offenhalten, der weiter ist als die Welt?“

Die Beiträge zeigen, dass Orden Vielfalt vorleben. Deutliche Worte findet Sr. Dr. Katharina Ganz OSF, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerin. „Nur wenn sie die Fehler im eigenen System ausmerzt, werden Glaubensvermittlung und Evangelisierung gelingen.“ Der Synodale Weg sei viel mehr als eine Beschäftigung mit sich selbst. „Er ist ein Weg, die Wunden, die die Kirche ihren eigenen Mitgliedern geschlagen hat, ehrlich anzuschauen und nach Wegen der Heilung und Versöhnung zu suchen.“

Marcus Leitschuh / Katharina Kluitmann: „Wir können auch anders! – Der Beitrag der Orden zum synodalen Weg und für die Zukunft der Kirche“. 144 Seiten, gebunden, 20 Euro, Vier-Türme-Verlag 2022
https://www.vier-tuerme.de/wir-koennen-auch-anders-der-beitrag-der-orden-zum-synodalen-weg-und-fuer-die-zukunft-der-kirche

QuelleMarcus Leitschuh
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